Vom 9. bis 11. Oktober wurde Hamburg erneut zum Treffpunkt der Gaming-, Anime- und Cosplay-Szene. Die POLARIS Convention feierte ihr fünfjähriges Jubiläum und zog rund 55.000 Besucher in die Messehallen. Mit bekannten Content Creatorn, aufwendigen Cosplays, Gaming-Shows, Indie-Spielen und einer Charity-Aktion hatte die Veranstaltung einiges zu bieten.
Doch neben vielen Highlights stellt sich auch eine grundsätzliche Frage:
Welche Rolle sollten Influencer auf solchen Messen spielen, und wie viel Platz bleibt dabei eigentlich noch für die Community und unabhängige Pressevertreter?
Die POLARIS hat sich längst zu einem festen Termin für Fans digitaler Unterhaltung entwickelt. Zum fünfjährigen Jubiläum präsentierten mehr als 450 Aussteller ihre Spiele, Produkte und kreativen Arbeiten. Von großen Marken wie Nintendo über Indie-Entwickler bis hin zur Artist Alley gab es zahlreiche Möglichkeiten, Neues zu entdecken und mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen.
Auch das Bühnenprogramm konnte sich sehen lassen. Zu den angekündigten Gästen gehörten unter anderem PietSmiet, CrispyRob, DoktorFroid, Farbenfuchs und iBlali, der als VIK auftrat.
Hinzu kamen Meet-and-Greets, Talks, Workshops und eine exklusive Premiere der deutschen Synchronfassung von „Cyberpunk: Edgerunners 2“.
Besonders die Mischung aus Gaming, Anime, Cosplay und Community machte den Charakter der Veranstaltung aus.
Die POLARIS ist längst mehr als eine klassische Messe und lebt vor allem von den Menschen, die ihre Leidenschaft dort gemeinsam ausleben.
Ein Publikumsmagnet war das Rahmenprogramm auf den verschiedenen Bühnen. Bei der von congstar unterstützten Gaming-Show „This Is Our World“ trat unter anderem Streamerin Baso auf. Spiele, Quizrunden und weitere interaktive Aktionen bezogen das Publikum aktiv ein und sorgten für Unterhaltung abseits der klassischen Messestände.
Ein weiterer Höhepunkt war der Cosplay Contest. Mit viel Liebe zum Detail präsentierten die Teilnehmer ihre Kostüme und Performances vor Publikum und Jury. Farbenfuchs, Anaelic, Blink und Lara Wegenaer bewerteten die Beiträge. Durchsetzen konnte sich trashqueencosplay mit einem Fire-Lady-Azula-Cosplay.
Auch für den guten Zweck wurde gesammelt. Bei Aktionen rund um „Loot für die Welt“, an denen unter anderem DoktorFroid und die Space Frogs beteiligt waren, kamen knapp 13.000 Euro zusammen. Das Geld floss in die Spendensumme des späteren Charity-Streams ein.
Die POLARIS zeigte damit, wie unterschiedlich moderne Popkultur-Veranstaltungen sein können: Sie bieten Unterhaltung, fördern kreative Talente und schaffen Begegnungen, die über das reine Konsumieren von Inhalten hinausgehen.
So positiv viele Programmpunkte in Erinnerung bleiben, gibt es auch Entwicklungen, die kritisch betrachtet werden sollten.
Eine davon betrifft die immer stärkere Präsenz von Content Creatorn auf Messen und Veranstaltungen.
Influencer können eine enorme Reichweite erzeugen, neue Zielgruppen erreichen und Veranstaltungen über soziale Medien bekannter machen.
Das ist für Veranstalter und Aussteller zweifellos interessant. Gleichzeitig entsteht zunehmend der Eindruck, dass sich manche Messen immer stärker an den Bedürfnissen reichweitenstarker Persönlichkeiten orientieren, während andere Besuchergruppen in den Hintergrund geraten.
Besonders problematisch wird es, wenn das eigene Auftreten vor der Kamera wichtiger erscheint als die Rücksichtnahme auf andere Menschen.
Wer durch volle Hallen läuft, sollte nicht einfach davon ausgehen, dass alle Umstehenden Teil des eigenen Contents sein möchten.
Besucher sind keine Statisten für fremde Videos. Sie kommen zur Messe, um Spiele auszuprobieren, Künstler kennenzulernen, Cosplays zu bewundern oder Zeit mit Freunden zu verbringen.
Natürlich gilt das nicht für alle Creator. Viele verhalten sich professionell, respektvoll und verantwortungsbewusst.
Trotzdem sollten Veranstalter klare Regeln schaffen und deutlich kommunizieren, wo gefilmt werden darf, welche Bereiche besondere Rücksicht erfordern und wie mit Menschen umzugehen ist, die nicht aufgenommen werden möchten.
Die Kritik richtet sich deshalb nicht grundsätzlich gegen Influencer oder gegen die POLARIS.
Vielmehr geht es um einen Trend, der bei unterschiedlichen Veranstaltungen zunehmend diskutiert werden sollte:
Wie lässt sich die Aufmerksamkeit großer Online-Persönlichkeiten nutzen, ohne andere Beteiligte zu benachteiligen?
Dazu gehören klare Regeln für Filmaufnahmen, ein respektvoller Umgang mit Besuchern und eine transparente Behandlung aller Medienvertreter.
Veranstalter sollten außerdem darauf achten, dass nicht ausschließlich die größte Reichweite über Aufmerksamkeit und Privilegien entscheidet.
Die POLARIS 2026 hat gezeigt, wie viel Potenzial in einer Convention steckt, die Gaming, Cosplay, Anime, Kreativität und Community verbindet.
Gerade deshalb wäre es schade, wenn diese Vielfalt zunehmend hinter der Inszenierung einzelner Persönlichkeiten verschwinden würde.
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